Zum InhaltZum Termin
Online Termin buchenTermin
Heller Schreibtisch mit Bildschirm vor einem Fenster mit Vorhang
Foto: Norbert Levajsics (CC0), via Wikimedia Commons

Blog

Kopfschmerzen am Bildschirm – was der Kopfvorschub damit zu tun hat

von Frank Libossek | Oktober 31, 2026 | Migräne & Kopfschmerzen

Termin online buchen

Frage stellen

Acht Stunden Bildschirm, abends noch das Handy, und gegen Nachmittag drückt der Kopf. Bei vielen meiner Patienten wird es schlimmer, wenn Stress und Schlafmangel dazukommen. Was dabei mit der Haltung des Kopfes passiert, was die Forschung dazu sagt und was Sie selbst ändern können, schreibe ich hier auf.

Was ist der Kopfvorschub?

Wer lange auf einen Bildschirm schaut, schiebt den Kopf oft unbemerkt nach vorne. Das Kinn wandert in Richtung Monitor, der Kopf liegt nicht mehr über den Schultern, sondern davor. Beim Handy kommt das Nach-unten-Schauen dazu. In der Fachsprache heißt das Kopfvorschub oder Kopf-Vorhalte, englisch „forward head posture“.

Der Kopf ist dann wie ein Gewicht an einem längeren Hebel. Die Muskeln im Nacken, vor allem die kleinen Muskeln direkt unter dem Schädel, müssen ihn halten, damit er nicht nach vorne kippt. Ein Rechenmodell eines New Yorker Wirbelsäulenchirurgen hat berechnet, wie die Kräfte auf die Halswirbelsäule mit jedem Grad Vorneigung steigen. Es ist ein Modell, keine Messung an Menschen, darum nenne ich hier keine Kilo-Zahlen.

Auf meiner Seite zur HWS-Steilstellung habe ich es so beschrieben: Längere Bildschirmarbeit oder das „Nach-unten-Schauen“ beim Smartphone belastet die obere Halswirbelsäule, da bei nach vorne geneigtem Kopf permanent die Muskulatur gegenhalten muss. Darum werden die Beschwerden bei vielen nach langem Sitzen stärker oder abends, wenn sie im Bett noch aufs Smartphone oder Tablet schauen.

Grafik: links der Kopf über den Schultern, rechts der Kopfvorschub, bei dem die Nackenmuskeln den Kopf an einem längeren Hebel halten
Grafik: eigene Darstellung

Was Sie selbst tun können

Die folgenden Punkte sind keine Therapie, sondern Einstellungen und Gewohnheiten. Sie kosten wenig und schaden nicht. Ob sie Ihre Kopfschmerzen verändern, kann ich nicht versprechen.

Bildschirm und Abstand. Die Arbeitsstättenregel für Bildschirmarbeit (ASR A6) nennt einen Sehabstand von mindestens 50 Zentimetern. Bei einer günstigen Haltung im Sitzen geht der Blick leicht nach unten, etwa 30 bis 35 Grad unter die Waagerechte, und trifft die Mitte des Bildschirms. Steht der Monitor zu hoch, zu tief oder zu weit weg, kommt der Kopf von allein nach vorne.

Laptop. Wer täglich am Laptop arbeitet, braucht nach derselben Regel eine eigene Tastatur und, je nach Arbeit, eine eigene Maus. Dann lässt sich der Bildschirm auf eine Höhe bringen, bei der Sie nicht nach unten kriechen müssen.

Haltung wechseln. Die Regel empfiehlt bei Bildschirmarbeit einen häufigen Wechsel der Haltung und der Sitzposition, wo möglich auch zwischen Sitzen und Stehen. Die beste Haltung ist die nächste.

Grafik: Sehabstand mindestens 50 Zentimeter, Blick etwa 30 bis 35 Grad nach unten auf die Bildschirmmitte, eigene Tastatur
Grafik: eigene Darstellung nach ASR A6 „Bildschirmarbeit“

Wann zu mir, wann zum Arzt?

Zuerst ärztlich abklären lassen sollten Sie Kopfschmerzen, die neu und anders sind als alles, was Sie kennen, die plötzlich extrem stark einsetzen oder die mit Lähmung, Sprach- oder Sehstörungen, Taubheit im Gesicht, Fieber oder Verwirrtheit auftreten. Eine Übersicht steht auf meiner Seite Neurologische Warnsignale. Auch wer an 15 oder mehr Tagen im Monat Kopfschmerzen hat und dagegen regelmäßig Schmerzmittel nimmt, gehört in ärztliche Hände, weil die Mittel selbst Kopfschmerzen unterhalten können.

Zu mir kommen Sie, wenn die ärztliche Abklärung erfolgt ist und Sie wissen möchten, ob die obere Halswirbelsäule eine Rolle spielt. Aus meiner Erfahrung lohnt sich ein genauer Blick besonders dann, wenn Kopfschmerzen oder Migräne seit Monaten oder Jahren bestehen, die Beschwerden trotz Behandlung immer wiederkehren oder Kopfschmerzen und Nackenbeschwerden gleichzeitig auftreten. Für die Untersuchung beim ersten Termin lasse ich mir Zeit, und wenn ich bei Ihren Kopfschmerzen keinen sinnvollen Ansatz sehe, sage ich Ihnen das offen. Wie ich bei Migräne und Kopfschmerzen arbeite, steht auf meiner Seite Migräne und Kopfschmerzen.

Frank Libossek behandelt den oberen Nacken eines Patienten mit dem Vibrationsgerät

Quellen

  • Elizagaray-Garcia I et al.: Chronic Primary Headache Subjects Have Greater Forward Head Posture than Asymptomatic and Episodic Primary Headache Sufferers: Systematic Review and Meta-analysis. Pain Med 2020;21(10):2465–2480. PubMed 33118601
  • Hansraj KK: Assessment of stresses in the cervical spine caused by posture and position of the head. Surg Technol Int 2014;25:277–279. PubMed 25393825
  • Andersen LL et al.: Effect of brief daily exercise on headache among adults – secondary analysis of a randomized controlled trial. Scand J Work Environ Health 2011;37(6):547–550. PubMed 21617837
  • Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A6 „Bildschirmarbeit“, Abschnitt 6 Gestaltungsanforderungen (6.3.1, 6.3.2, 6.3.4, 6.3.9, 6.3.11). vorschriften.bgn-branchenwissen.de
  • ICHD-3, 8.2 Medication-overuse headache. ichd-3.org
  • Do TP et al.: Red and orange flags for secondary headaches in clinical practice: SNNOOP10 list. Neurology 2019;92(3):134–144. PubMed 30587518

Kontakt

Marxhofstraße 1