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Heller Schreibtisch von oben mit aufgeschlagenem Notizbuch, Stift, Brille und Laptop
Foto: JESHOOTS.COM (CC0), via Wikimedia Commons

Konzentrationsprobleme — wenn Fokussieren zur Kraftanstrengung wird

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Ein Gespräch verfolgen, einen Text zu Ende lesen, bei der Arbeit den Faden halten — für viele meiner Patienten ist genau das zu einer täglichen Anstrengung geworden. Nicht, weil sie unmotiviert wären, sondern weil die Konzentration einfach nicht mehr trägt. Oft steckt dahinter mehr als reine Erschöpfung — die obere Halswirbelsäule kann eine bislang unentdeckte Rolle spielen.

Wie der Atlas die Konzentrationsfähigkeit beeinflussen kann

Konzentration ist eine der anspruchsvollsten Leistungen des Gehirns. Sie braucht stabile Blutversorgung, ein ausgeglichenes Nervensystem und einen Körper, der nicht ständig mit Kompensationsarbeit beschäftigt ist. Aus meiner Sicht kann eine Atlasfehlstellung alle drei Faktoren stören.

Ständige propriozeptive Fehlsignale: Die Propriozeptoren der oberen Halswirbelsäule senden dem Gehirn permanent Informationen über die Kopfposition. Sind diese Signale durch eine Atlasfehlstellung verfälscht, muss das Gehirn ständig gegensteuern. Ich vermute, dass diese Ausgleichsarbeit Ressourcen kostet — Ressourcen, die dann für bewusste Konzentration fehlen.

Erhöhter Sympathikus-Tonus: Ich vermute: Eine Reizung des Vagusnervs oder des Hirnstamms durch die Atlasfehlstellung kann den Körper in einen leicht erhöhten Stresszustand versetzen. In diesem Zustand priorisiert das Nervensystem Wachsamkeit. Fokussierte, ruhige Aufmerksamkeit wird dadurch schwerer.

Muskuläre Dauerbelastung: Aus meiner Erfahrung bindet chronisch verspannte Nackenmuskulatur unbewusst Aufmerksamkeit. Der Körper meldet ständig leise Unbehagen-Signale. Das Gehirn muss diese im Hintergrund verarbeiten — ein ständiger Nebengeräusch-Effekt für die Konzentrationsfähigkeit.

Grafik: Augen, Innenohr und Nacken melden an den Hirnstamm, der daraus das Gleichgewicht bildet
Grafik: Sympathikus aktiviert den Körper, Parasympathikus sorgt für Erholung – beide im Gleichgewicht

Ehrliche Einordnung

Konzentrationsprobleme haben oft harmlose Ursachen — Schlafmangel, Stress, Reizüberflutung. Sie können aber auch auf ernstere Ursachen hinweisen. Diese sollten ärztlich abgeklärt werden, etwa Schilddrüsenprobleme, Eisenmangel, ADHS oder psychische Belastungen. Haben die Konzentrationsprobleme nach einem Infekt wie COVID-19 begonnen, gehört das ebenfalls zuerst in ärztliche Abklärung – Probleme mit Aufmerksamkeit und Gedächtnis gehören zu den häufigsten anhaltenden Beschwerden danach.

Wenn diese Ursachen ausgeschlossen wurden und Ihre Konzentrationsprobleme mit Nackenbeschwerden, Kopfschmerzen oder einer Trauma-Vorgeschichte einhergehen, lohnt sich ein Blick auf den Atlas. Ich behandle nur, wenn ich nach der Untersuchung einen echten Ansatzpunkt sehe.

Frank Libossek behandelt den oberen Nacken eines Patienten mit dem Vibrationsgerät

Quellen

  • Ocon AJ: Caught in the thickness of brain fog: exploring the cognitive symptoms of Chronic Fatigue Syndrome. Front Physiol 2013;4:63. PubMed 23576989
  • Luo S et al.: Prevalence and duration of common symptoms in people with long COVID: a systematic review and meta-analysis. J Glob Health 2025;15:04282. PubMed 41104805
  • Treleaven J: Sensorimotor disturbances in neck disorders affecting postural stability, head and eye movement control. Man Ther 2008;13(1):2–11. PubMed 17702636
  • OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, Kapitel 15.1 Divisions of the Autonomic Nervous System (Lizenz CC BY 4.0). openstax.org

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