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Ein Fluss windet sich ruhig durch ein weites Tal zwischen Bergen
Foto: Amy Skyer (CC0), via Wikimedia Commons

Die Arteria vertebralis – Durchblutung an der Halswirbelsäule

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Durch die Halswirbelsäule ziehen zwei Arterien nach oben, die einen Teil des Gehirns mit Blut versorgen: die Wirbelarterien, in der Fachsprache Arteria vertebralis. Am Atlas machen sie eine enge Kurve. Ich erkläre hier, wie sie verlaufen, welche seltene, aber ernste Erkrankung sie betreffen kann und wie ich in meiner Praxis damit umgehe.

Wie verläuft die Wirbelarterie?

Die beiden Wirbelarterien entspringen rechts und links aus der Schlüsselbeinarterie. Sie steigen durch kleine Löcher in den Querfortsätzen der Halswirbel nach oben, Wirbel für Wirbel, wie durch einen Kanal aus Knochenringen.

Am Atlas ändert sich der Verlauf. Die Arterie tritt aus seinem Querfortsatz aus, biegt nach hinten und innen und läuft in einer Rinne auf dem hinteren Bogen des Atlas. Dann zieht sie durch das große Hinterhauptsloch in den Schädel. Dort vereinigen sich die beiden Wirbelarterien zur Arteria basilaris. Über sie bekommen Hirnstamm und Kleinhirn ihr Blut.

Halsgefäße von der Seite, Pfeile markieren die Wirbelarterie entlang der Halswirbel (lateinische Beschriftung)
Gray’s Anatomy 1918, Abb. 513, Pfeile von Mikael Häggström (gemeinfrei), via Wikimedia Commons

Was ist eine Dissektion?

Selten reißt die innere Wandschicht einer Halsarterie ein. Fachleute nennen das Dissektion. An der verletzten Stelle können sich Blutgerinnsel bilden, die mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt werden. Das ist der häufigste Weg, auf dem eine Dissektion zu einem Schlaganfall führt.

Wie selten das ist, zeigt eine Bevölkerungsstudie aus den USA: Eine Dissektion der Wirbelarterie wurde dort bei etwa einem von 100.000 Menschen pro Jahr festgestellt. Die meisten Betroffenen erholten sich gut. Trotzdem gehört eine Dissektion zu den häufigeren Ursachen eines Schlaganfalls bei jüngeren Menschen.

Eine Dissektion kann ohne erkennbaren Anlass entstehen. In einer großen internationalen Studie hatten aber vier von zehn Betroffenen im Monat davor ein Ereignis am Hals erlebt, meist etwas Leichtes. Die Autoren sprechen deshalb lieber von einem „mechanischen Auslöser“ als von einem Unfall.

Behandlungen am Nacken und Dissektion

Seit Jahren wird diskutiert, ob Manipulationen an der Halswirbelsäule eine Dissektion auslösen können. Eine Stellungnahme der American Heart Association von 2014 beschreibt einen statistischen Zusammenhang, hält aber offen, ob die Behandlung die Ursache ist. Denkbar ist auch, dass die Dissektion schon vorher bestand und ihr Nackenschmerz der Grund war, Hilfe zu suchen.

Eine große Studie aus Kanada stützt diese Erklärung: Menschen mit einem Schlaganfall im Versorgungsgebiet der Wirbelarterien waren vorher ähnlich häufig beim Chiropraktiker wie bei der Hausärztin oder beim Hausarzt. Das Risiko war nach dem Chiropraktiker nicht höher als nach dem Hausarztbesuch.

Für alle, die am Nacken arbeiten, heißt das: Die Zeichen einer Dissektion kennen und vor jeder Behandlung danach fragen. Eine internationale Fachgesellschaft der Manualtherapeuten hat dafür 2023 einen Leitfaden veröffentlicht.

Häufige Fragen

Drückt ein verschobener Atlas auf die Wirbelarterie?

Das wird oft behauptet. Eine Studie, die das bei Menschen mit einer sogenannten Atlasfehlstellung belegt, habe ich nicht gefunden. Was belegt ist: Die Arterie verläuft in einer Rinne auf dem hinteren Bogen des Atlas, also sehr nah an ihm.

Kann ich mit Schwindel zur Atlaskorrektur kommen?

Erst, wenn der Schwindel ärztlich abgeklärt ist. Plötzlicher Schwindel zusammen mit Doppelbildern, Sprachstörungen oder Lähmungen ist ein Notfall. Mehr zu Schwindel und Atlas steht auf der Seite Schwindel.

Sieht man eine Dissektion im Röntgenbild?

Nein. Ein normales Röntgenbild zeigt die Knochen, nicht die Gefäße. Eine Dissektion wird mit Ultraschall, CT- oder MR-Angiografie gesucht. Was Röntgen und MRT am Atlas zeigen, erkläre ich auf der Seite Röntgen und MRT am Atlas.

Hinweis: Diese Seite dient der fachlichen Einordnung und stellt keine Heilaussage dar. Sofort handeln müssen Sie auch bei plötzlicher Taubheit im Gesicht oder dem stärksten Kopfschmerz Ihres Lebens: Wie bei plötzlichen Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen gilt dann der Notruf 112. Mehr auf meiner Seite Neurologische Warnsignale.

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