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Junger Mann im Profil vor einer grünen Wand, Kinn und Kieferlinie gut zu sehen
Foto: Maksym Zakharyak (CC0), via Wikimedia Commons

CMD – wie Halswirbelsäule, Kiefer und Haltung zusammenhängen

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Wer mit Kieferschmerzen, Kieferknacken oder einer CMD-Diagnose zu mir kommt, erzählt fast immer auch vom Nacken, von Druck am Hinterkopf oder von Schmerzen an den Schläfen. Auf dieser Seite erkläre ich, wie Kiefergelenk, Kaumuskeln und obere Halswirbelsäule gebaut sind, wo sie über das Nervensystem verbunden sind und was Studien zu Nacken, Kopfhaltung und Zähnepressen tatsächlich zeigen. Manches davon ist gut belegt. Anderes, das man oft hört, ist es nicht, und das sage ich auch.

Was ist eine CMD?

CMD steht für craniomandibuläre Dysfunktion, auf Englisch temporomandibular disorders (TMD). Die deutsche Leitlinie der Fachgesellschaften für Funktionsdiagnostik und Zahnmedizin beschreibt sie kurz: Eine CMD umfasst Schmerz und/oder Funktionsstörung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Es ist also ein Sammelbegriff, keine einzelne Krankheit.

International werden CMD nach den Diagnosekriterien DC/TMD eingeteilt. Sie unterscheiden Schmerzformen wie den Muskelschmerz (Myalgie) und den Gelenkschmerz (Arthralgie), Veränderungen im Gelenk wie die verlagerte Gelenkscheibe und einen Kopfschmerz, der von der CMD kommt. Daneben steht eine zweite Achse für Kieferfunktion, Verhalten und seelische Belastung. Viele Gelenkbefunde lassen sich übrigens mit der Untersuchung allein nicht sicher stellen.

Der Kopfschmerz durch eine CMD ist in der internationalen Kopfschmerz-Klassifikation ICHD-3 unter der Nummer 11.7 eigens beschrieben. Typisch ist, dass er mit der CMD begonnen hat, beim Kauen oder Pressen stärker wird und sich durch Druck auf den Schläfenmuskel oder durch Bewegen des Unterkiefers auslösen lässt. Nach Zahnschmerzen ist die CMD laut ICHD-3 die häufigste Ursache von Gesichtsschmerz.

Wie häufig ist das? Eine Auswertung von 74 Studien mit mehr als 170.000 Menschen fand bei etwa einem Drittel Zeichen einer CMD, in Europa bei 29 Prozent, am häufigsten zwischen 18 und 60 Jahren. Ein Befund ist aber noch keine Beschwerde. Anhaltende Schmerzen durch eine CMD haben nach einer internationalen Leitlinie 6 bis 9 Prozent der Erwachsenen.

Wo treffen sich Kiefer und obere Halswirbelsäule im Nervensystem?

Hier liegt für mich der wichtigste funktionelle Zusammenhang. Der Trigeminusnerv versorgt Gesicht, Kiefer und Kaumuskeln. Die Nerven der oberen drei Halssegmente versorgen Nacken und Hinterkopf. Beide laufen im Hirnstamm in einem gemeinsamen Kerngebiet zusammen, das Fachleute den trigeminozervikalen Komplex nennen. Dieselben Nervenzellen bekommen dort Signale aus beiden Gebieten.

Das erklärt, warum Schmerz aus dem Nacken im Kopf oder Gesicht gespürt werden kann und umgekehrt. Im Tierversuch hat man gezeigt, dass Nervenzellen auf Höhe des zweiten Halswirbels Signale vom Trigeminus und von den Halsnerven verarbeiten und empfindlicher werden können. Eine neuere Übersicht hält die Verbindung zwischen Gesicht, Kiefer und Nacken über dieses Kerngebiet für gut belegt. In welche Richtung sie vor allem wirkt, ist noch offen. Berichtet wird häufiger die Richtung vom Gesicht zum Nacken.

Wie die zwei obersten Halswirbel gebaut sind, steht auf der Seite Atlas und Axis. Mehr zum Nerv selbst steht auf der Seite Der Trigeminusnerv, zum Kopfschmerz vom Nacken auf der Seite Zervikogener Kopfschmerz und zum großen Hinterhauptsnerv auf der Seite Hinterhauptsnerv und Okzipitalneuralgie.

Schaltskizze: Signale aus Kiefer und Gesicht über den Trigeminusnerv und aus dem Nacken über die Halsnerven C1 bis C3 laufen im Hirnstamm in denselben Kern
Grafik: eigene Darstellung nach Bogduk 2004 und Bartsch und Goadsby 2003

Hängt die Kopfhaltung mit der CMD zusammen?

Das ist eine Frage, die mir oft gestellt wird, und die ehrliche Antwort lautet: Es ist nicht geklärt. Eine Übersichtsarbeit nennt den Zusammenhang zwischen CMD und Kopf- und Halshaltung umstritten und unklar, weil es zu wenige gute Studien gibt. Eine andere fand Hinweise auf eine veränderte Kopf-Hals-Haltung bei Menschen mit muskulärer CMD. Die beiden Übersichten von 2020 fanden dagegen keinen Unterschied in der Kopf- und Halshaltung zwischen Menschen mit und ohne CMD.

Aus meiner Erfahrung beeinflussen sich Kopfhaltung, Atlas und Unterkiefer gegenseitig. Das ist meine Sicht aus der Praxis. Die Messungen in Studien bestätigen sie bisher nicht eindeutig. Was die Forschung zur Haltung allgemein sagt, steht auf meiner Seite Haltung, Kopfvorschub und „Handynacken“.

Pressen, Knirschen und Stress

Zähnepressen und Zähneknirschen heißen Bruxismus. Nach einer internationalen Einigung von Fachleuten ist Bruxismus eine Aktivität der Kaumuskeln im Schlaf oder im Wachzustand, etwa als wiederholtes Aufeinanderbeißen oder als Anspannen des Unterkiefers. Er gilt als Verhalten und nicht als Krankheit. Er kann aber ein Risiko für Beschwerden sein.

Stress und Pressen hängen zusammen. In einer Auswertung hatten gestresste Menschen etwa doppelt so oft einen Bruxismus. Die Sicherheit der Belege ist allerdings gering, für den Bruxismus im Schlaf sogar sehr gering. Viele merken das Pressen erst durch eine verspannte Kiefermuskulatur am Morgen oder durch Schmerzen an den Schläfen.

Wie ich bei CMD vorgehe

Kein CMD-Patient gleicht dem anderen, deshalb steht am Anfang immer eine gründliche Untersuchung. Ich analysiere die Atlasposition, die Körperstatik, die Kieferfunktion und -okklusion, die Muskelspannung im gesamten Kopf-Hals-Bereich und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule. Wenn der Atlas als relevanter Faktor identifiziert wird, korrigiere ich ihn ohne Knacken und ohne Manipulation. Dazu kommen je nach Befund Osteopathie und Physiotherapie mit Übungen, Kiefermobilisation und Haltungskorrektur. Die enge Abstimmung mit Ihrem Zahnarzt empfehle ich bei CMD in jedem Fall.

Was Studien dazu sagen: Für anhaltenden CMD-Schmerz empfiehlt eine internationale Leitlinie unter anderem die Mobilisation durch Therapeutinnen und Therapeuten, die manuelle Behandlung von Triggerpunkten, angeleitete Kiefer- und Haltungsübungen sowie Aufklärung und Übungen für zu Hause. Behandlung an der Halswirbelsäule konnte in einer Auswertung den CMD-Schmerz stärker senken als eine Scheinbehandlung, mit mittlerer Sicherheit. Die Atlaskorrektur selbst wurde in diesen Studien nicht untersucht. Wie ich bei Kieferbeschwerden arbeite, steht ausführlich auf meiner Seite CMD-Kieferbeschwerden & Atlaskorrektur.

Schaubild: Zusammenhang zwischen CMD-Beschwerden und Atlaswirbel

Quellen

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