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Lichtspuren von Autos auf einer geschwungenen Straße in der Dämmerung
Foto: Caleb George (CC0), via Wikimedia Commons

Schleudertrauma & Atlasfehlstellung — wenn der Unfall Spätfolgen hinterlässt

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Viele Menschen, die nach einem Schleudertrauma chronische Beschwerden entwickeln, hören irgendwann denselben Satz: „Organisch ist alles in Ordnung." Die Bilder zeigen keine schwere Verletzung, das akute Trauma ist abgeklungen — aber Nackensteife, Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsprobleme bleiben. Was dabei aus meiner Erfahrung fast nie untersucht wird: ob der Atlas durch den Unfall dauerhaft in eine Fehlstellung geraten ist.

Was beim Schleudertrauma mit dem Atlas passiert

Bei einem Schleudertrauma — klassisch beim Auffahrunfall, aber auch bei Sportunfällen, Stürzen oder harten Kollisionen — wird der Kopf in Millisekunden ruckartig nach vorne und hinten oder seitlich beschleunigt. Die Kräfte, die dabei auf die obere Halswirbelsäule wirken, sind enorm — auch bei einem scheinbar harmlosen Unfall mit niedriger Geschwindigkeit.

Der Atlas ist dabei besonders gefährdet. Er ist der beweglichste Wirbel der Wirbelsäule und wird von einem komplexen System aus Bändern, tiefen Muskeln und Gelenkkapsel gehalten. Genau diese Strukturen werden beim Schleudertrauma auf Zug und Scherkräfte beansprucht. Aus meiner Erfahrung kehrt der Atlas in manchen Fällen nicht mehr exakt in seine ursprüngliche Position zurück — er bleibt minimal verschoben oder verdreht.

Diese minimale Fehlstellung ist auf einem Standard-MRT oft nicht sichtbar. Ich gehe davon aus, dass sie ausreichen kann, um die Propriozeptoren, die Blutgefäße und die Nerven im Bereich des Atlas dauerhaft zu irritieren.

Kopfgelenke von hinten geöffnet: Membrana tectoria, Querband und Flügelbänder (englische Beschriftung)
Gray’s Anatomy 1918, Abb. 307 (gemeinfrei), via Wikimedia Commons

Das typische Bild nach einem Schleudertrauma — was ich in meiner Praxis sehe

Patienten mit Schleudertrauma-bedingter Atlasfehlstellung zeigen häufig ein charakteristisches Beschwerdebild:

Chronische Nackensteife und Schmerzen, die sich trotz Physiotherapie nicht vollständig lösen. Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgehen und sich oft halbseitig manifestieren. Schwindel oder Benommenheit — besonders beim schnellen Drehen des Kopfes. Konzentrationsprobleme und erhöhte Erschöpfbarkeit. Sehstörungen oder Lichtempfindlichkeit. Manchmal Tinnitus oder Ohrdruck.

Was all diese Beschwerden aus meiner Sicht verbindet: Sie gehören zum Funktionskreis der oberen Halswirbelsäule — dem Bereich, den der fehlstehende Atlas beeinflussen kann.

Wichtig: Erst abklären, dann behandeln

Bei frischen Schleudertraumas — also in den ersten Wochen nach dem Unfall — führe ich keine Atlaskorrektur durch. Der Körper braucht zunächst Zeit, um akute Entzündungen und Schwellungen zu überwinden. Erst wenn die akute Phase abgeklungen ist und die ärztliche Abklärung keine instabilen Strukturen oder schwerwiegenden Verletzungen gezeigt hat, kommt eine Atlaskorrektur für mich in Frage.

Bringen Sie beim Ersttermin gerne alle vorhandenen Befunde mit — MRT, Röntgen, ärztliche Berichte. Das hilft mir, die Situation vollständig einzuschätzen.

Nach einem Unfall klärt zuerst eine Ärztin oder ein Arzt, ob die Halswirbelsäule verletzt ist. Bei starken Nackenschmerzen, Taubheit oder Kribbeln in Armen oder Beinen oder Lähmungen nach einem Unfall bitte sofort in die Notaufnahme oder den Notruf 112 wählen.

Frank Libossek untersucht und behandelt den oberen Nacken einer Patientin

Quellen

  • Carroll LJ et al.: Course and prognostic factors for neck pain in whiplash-associated disorders (WAD): results of the Bone and Joint Decade 2000–2010 Task Force on Neck Pain and Its Associated Disorders. Spine 2008;33(4 Suppl):S83–S92. PubMed 18204405
  • Stiell IG et al.: The Canadian C-spine rule for radiography in alert and stable trauma patients. JAMA 2001;286(15):1841–1848. PubMed 11597285
  • Vetti N et al.: Follow-up MR imaging of the alar and transverse ligaments after whiplash injury: a prospective controlled study. AJNR Am J Neuroradiol 2011;32(10):1836–1841. PubMed 21920865
  • Treleaven J: Sensorimotor disturbances in neck disorders affecting postural stability, head and eye movement control. Man Ther 2008;13(1):2–11. PubMed 17702636

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