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Ein Mensch geht allein auf einem Weg durch einen lichten Winterwald
Foto: Hannah Donze (CC0), via Wikimedia Commons

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Kopfschmerzen: Spannungskopfschmerz, Migräne oder vom Nacken?

von Frank Libossek | Oktober 31, 2026 | Migräne & Kopfschmerzen

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Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Ob es drückt wie ein enges Band, ob es auf einer Seite pocht oder ob der Schmerz vom Nacken nach vorne zieht, macht einen Unterschied. Für die Einordnung, für die Behandlung und für die Frage, ob der Nacken überhaupt beteiligt ist. Ich erkläre hier drei Formen, so wie die internationale Kopfschmerz-Klassifikation sie beschreibt, und sage dazu, wo der Nacken eine Rolle spielen kann und wo nicht.

Woran erkennt man einen Spannungskopfschmerz?

Der Spannungskopfschmerz ist der Kopfschmerz, den fast jeder kennt. Er sitzt meist auf beiden Seiten, fühlt sich drückend oder ziehend an, nicht pochend, und ist leicht bis mittelstark. Viele beschreiben ihn wie einen Reifen um den Kopf. Er dauert eine halbe Stunde bis zu mehreren Tagen. Typisch ist auch, was fehlt: Gehen oder Treppensteigen machen ihn nicht schlimmer, Übelkeit gehört nicht dazu, und höchstens eines von beiden, Licht oder Lärm, wird als unangenehm empfunden.

So steht es in der internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3), nach der auch Neurologen einordnen.

Und wann kommt der Kopfschmerz vom Nacken?

Hier wird es genauer, als viele denken. In der Medizin heißt der Kopfschmerz vom Nacken zervikogener Kopfschmerz. Die Klassifikation verlangt dafür einen Befund an der Halswirbelsäule oder den Weichteilen des Halses, der Kopfschmerz auslösen kann, und mindestens zwei Hinweise auf einen echten Zusammenhang: Der Kopfschmerz begann zusammen mit dem Nackenproblem, er bessert sich, wenn sich der Nacken bessert, die Beweglichkeit des Halses ist eingeschränkt und bestimmte Bewegungen lösen den Kopfschmerz aus, oder er verschwindet nach einer gezielten Betäubung im Halsbereich.

Typisch, aber kein Beweis: Der Schmerz sitzt immer auf derselben Seite, lässt sich durch Druck auf die Nackenmuskeln oder durch Kopfbewegungen auslösen und zieht vom Hinterkopf nach vorne. Häufig ist diese Form nicht: In einer großen Bevölkerungsstudie aus Norwegen erfüllten 4,1 Prozent der untersuchten Erwachsenen die Kriterien.

Ehrlich gesagt ist das eine Zahl, die mich vorsichtig macht. Nicht jeder Kopfschmerz mit verspanntem Nacken ist ein Kopfschmerz vom Nacken.

Was hat die obere Halswirbelsäule damit zu tun und was nicht?

Nackenschmerzen begleiten Kopfschmerzen auffallend oft. Eine Übersichtsarbeit aus Kopenhagen fand in Kopfschmerz-Sprechstunden bei 77 Prozent der Migränepatienten Nackenschmerzen, bei Menschen ohne Kopfschmerzen bei 23 Prozent. In einer dänischen Bevölkerungsstudie hatten 88 Prozent der Menschen mit Spannungskopfschmerz innerhalb eines Jahres Nackenschmerzen.

Es gibt auch eine anatomische Erklärung, warum Schmerz aus dem oberen Nacken im Kopf ankommen kann: Die Nerven der oberen Halswirbelsäule und der Trigeminusnerv, der den Kopf versorgt, laufen im Hirnstamm auf dieselben Nervenzellen zu. Darüber habe ich auf meiner Seite zum Trigeminusnerv mehr geschrieben.

Was daraus nicht folgt: dass der Nacken die Ursache jeder Migräne oder jedes Spannungskopfschmerzes ist. Ob der Nacken bei der Migräne Auslöser, Mitspieler oder Folge ist, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Die Klassifikation weist außerdem darauf hin, dass auffällige Bilder der oberen Halswirbelsäule auch bei Menschen ohne Kopfschmerzen häufig sind. Ein Röntgen- oder MRT-Bild allein beweist also keinen Zusammenhang. Wie ich die Rolle des Atlas bei Migräne sehe, steht auf meiner Seite Migräne und Kopfschmerzen.

Verlauf des Trigeminusnervs mit seinen drei Ästen im Gesicht (englische Beschriftung)
Henry Vandyke Carter (Gray’s Anatomy 1918, Abb. 778), eingefärbt von Lipothymia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wann sollten Sie zuerst ärztlich abklären lassen?

Manche Kopfschmerzen gehören nicht in meine Praxis, sondern sofort in ärztliche Hände. Dazu zählen ein plötzlicher, extrem starker Kopfschmerz, Kopfschmerz mit Lähmung, Sprach- oder Sehstörung, Taubheit im Gesicht, Fieber mit steifem Nacken oder Verwirrtheit, ein neuer Kopfschmerz nach einem Sturz oder Unfall und Kopfschmerzen, die sich über Wochen deutlich verändern. Eine Übersicht dieser Zeichen steht auf meiner Seite Neurologische Warnsignale.

Ein Punkt wird oft übersehen: Wer an 15 oder mehr Tagen im Monat Kopfschmerzen hat und seit über drei Monaten regelmäßig Schmerz- oder Migränemittel nimmt, kann einen Kopfschmerz durch Übergebrauch von Medikamenten haben. Bei Triptanen reichen dafür schon zehn Einnahmetage im Monat. Das gehört in die Hand Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.

Quellen

  • Headache Classification Committee of the International Headache Society: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3), 1.1 Migraine without aura. ichd-3.org
  • ICHD-3, 2.2 Frequent episodic tension-type headache. ichd-3.org
  • ICHD-3, 11.2.1 Cervicogenic headache. ichd-3.org
  • ICHD-3, 8.2 Medication-overuse headache und 8.2.2 Triptan-overuse headache. ichd-3.org
  • Sjaastad O: Cervicogenic headache: comparison with migraine without aura; Vågå study. Cephalalgia 2008;28 Suppl 1:18–20. PubMed 18494988
  • Al-Khazali HM et al.: Prevalence of neck pain in migraine: A systematic review and meta-analysis. Cephalalgia 2022;42(7):663–673. PubMed 35166137
  • Ashina S et al.: Prevalence of neck pain in migraine and tension-type headache: a population study. Cephalalgia 2015;35(3):211–219. PubMed 24853166
  • Do TP et al.: Red and orange flags for secondary headaches in clinical practice: SNNOOP10 list. Neurology 2019;92(3):134–144. PubMed 30587518

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